Weltrekord am Grund des Flusses
Die Tunnelbohrmaschine Linghang („Navigator“) hat nach 27 Monaten ununterbrochener Arbeit einen historischen Meilenstein gesetzt. An diesem Donnerstag schloss das Gerät eine 11,325 Kilometer lange Bohrung unter dem Jangtse ab. Die Maschine legte die gesamte Distanz von einem einzigen Startpunkt aus zurück, um die Bauzeit zu verkürzen.
Laut der Zeitung Global Times handelt es sich um die längste durchgehende Strecke, die je von einer Maschine der 15-Meter-Klasse unter einem Fluss gebohrt wurde. Der Rekord bedeutet nicht, dass die Maschine 27 Monate lang pausenlos lief, sondern dass die gesamte Strecke ohne Demontage oder den Bau von Zwischenschächten bewältigt wurde.
4.000 Tonnen schweres Hightech-Gerät
Gebaut wurde die Linghang von der China Railway Engineering Equipment Group speziell für den Chongtai-Tunnel. Die gewaltige Schildvortriebsmaschine (TBM) verließ am 27. Januar 2024 die Produktion, wurde im März montiert und begann am 29. April 2024 mit den Bohrarbeiten.
Die Dimensionen sind enorm: Der Bohrkopf misst 15,4 Meter im Durchmesser, die Gesamtlänge der Maschine beträgt 148 Meter und das Gewicht liegt bei rund 4.000 Tonnen. Ein intelligentes I-TBM-System überwacht dabei permanent den Kammerdruck, die Flugbahn und den Abtransport des Aushubs.
Die Maschine verfügt über spezielle Dichtungssysteme für hohen Wasserdruck und einen verschleißfesten Bohrkopf für den schlammigen und sandigen Flussboden. Während das große Schneidrad an der Front das Gestein abträgt, stützt der zylindrische Schild den Hohlraum. Direkt dahinter installiert die Maschine Ringe aus vorgefertigten Betonelementen (Tübbingen), die den Tunnel dauerhaft abdichten.
Der Kampf gegen Druck und Verschleiß
Eine der größten Herausforderungen des Projekts ist der immense Wasserdruck. Die Linghang arbeitete bis zu 89 Meter unter dem Grund des Jangtse und hielt dort Drücken von bis zu 0,9 Megapascal stand. Der fertige Tunnelröhre hat einen Außendurchmesser von 14,8 Metern und wird Platz für zwei Gleise bieten.
Dieser enorme Durchmesser ist zwingend erforderlich, da die Züge hier mit 350 km/h verkehren sollen. Ein Zug, der mit dieser Geschwindigkeit in eine Röhre einfährt, schiebt eine massive Luftmasse vor sich her. In einem engen Tunnel würde diese komprimierte Luft zu starken Druckschwankungen und Infrastrukturschäden führen.
Der große Querschnitt reduziert diesen sogenannten Kolbeneffekt massiv. Dadurch können die Hochgeschwindigkeitszüge den Fluss unterqueren, ohne vorher abbremsen zu müssen.
Der absolute Größenrekord bleibt unberührt
Obwohl die Linghang die größte Maschine ist, die je für einen Hochgeschwindigkeits-Eisenbahntunnel gebaut wurde, hält sie nicht den absoluten Weltrekord. Dieser gehört laut Guinness-Buch der Herrenknecht Mixshield S-880 „Qin Liangyu“.
Diese gigantische deutsche Maschine kam 2015 beim Bau eines Straßentunnels in Hongkong zum Einsatz. Sie war 120 Meter lang, wog 4.850 Tonnen und besaß einen Bohrkopf mit einem Durchmesser von 17,63 Metern.
Endspurt auf der Mega-Baustelle
Der fertige Chongtai-Tunnel wird 14,25 Kilometer lang sein und schließt eine Lücke im Hochgeschwindigkeitskorridor zwischen Shanghai, Chongqing und Chengdu. Nach Erreichen des 11,325-Kilometer-Punkts wird die Linghang in einem Zwischenschacht gewartet, bevor sie die verbleibenden 1,8 Kilometer in Angriff nimmt.
Der Durchschlag des kompletten Tunnels ist für vor Ende 2026 geplant. Mit der Eröffnung der Strecke schrumpft die Fahrzeit für die 63 Kilometer lange Verbindung zwischen Chongming und dem Bahnhof Shanghai Baoshan auf nur noch 17 Minuten.
