Wer an Zecken denkt, hat meist die klassischen, dunklen und flachen Spinnentiere vor Augen. Diese lassen sich auf heller Kleidung oder bei der abendlichen Körperkontrolle relativ leicht entdecken.
Epidemiologen und Forscher warnen jedoch vor einer deutlich unauffälligeren Bedrohung. Die Rede ist von Nymphen, dem Zwischenstadium des Gemeinen Holzbocks.
Kaum sichtbar, aber ein enormes Risiko
Diese Miniaturversion des Parasiten unterscheidet sich vom erwachsenen Tier vor allem durch ihre winzige Größe. Eine Nymphe ist so klein, dass sie problemlos auf einen Stecknadelkopf passt oder wie ein Mohnkorn aussieht.
Ihr Körper ist oft fast durchsichtig oder hellbraun gefärbt. Dadurch wird sie auf der menschlichen Haut schnell mit einem Schmutzpartikel, einem kleinen Schorf oder einem neuen Muttermal verwechselt.
Genau diese scheinbare Harmlosigkeit wiegt viele Menschen in falscher Sicherheit und macht den Parasiten so tückisch.
Wo die Nymphen lauern und angreifen
Zeckennymphen bevorzugen feuchte und schattige Umgebungen, da ihre empfindlichen Körper extrem schnell austrocknen. Sie sammeln sich bevorzugt in feuchter Bodenstreu, unter abgefallenen Blättern und in niedrigem, dichtem Gestrüpp.
Um auf sie zu treffen, ist kein Ausflug in tiefe Wälder nötig. Die winzigen Spinnentiere leben auch massenhaft in Stadtparks, Grünanlagen und auf heimischen Rasenflächen.
Nymphen klettern nicht hoch. Sie greifen in der Regel vom Boden aus an und heften sich zunächst an die Knöchel. Von dort aus wandern sie unbemerkt den Körper hinauf, um eine ideale Einstichstelle zu finden.
Bevorzugt werden Bereiche, an denen die Haut besonders dünn und gut durchblutet ist. Dazu zählen vor allem die Kniekehlen, die Leistenregion oder die Hautpartien direkt hinter den Ohren.
Gleiche Erreger wie bei erwachsenen Zecken
Nymphen tragen exakt dieselben gefährlichen Krankheitserreger in sich wie ausgewachsene Zecken. Dazu gehören die Bakterien der Borreliose und das Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Ihre Präsenz auf dem Körper ist hochgradig gefährlich. Aufgrund ihrer minimalen Größe können sie oft tagelang unbemerkt Blut saugen, was das Infektionsrisiko bei jedem verstreichenden Tag drastisch erhöht.
Nach jedem Spaziergang in der Natur ist daher eine gründliche Untersuchung des gesamten Körpers unerlässlich. Mediziner raten dringend dazu, sich bei gutem Licht abzusuchen und keine neu aufgetretenen, noch so kleinen Flecken auf der Haut zu ignorieren.
